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Den Schüler im Auge behalten: Aufsichtspflicht und Pausenaufsicht

Zu den Dienstpflichten der Lehrer gehört neben Unterricht und Erziehung auch die Beaufsichtigung der Schüler, mit der auch Referendare betraut werden können. Insbesondere wenn Sie eigenverantwortlichen Unterricht erteilen, sind Sie zur Aufsicht verpflichtet. 


Allgemeine Regelungen

Die Schulgesetze der Länder sowie die Regelungen zu den Dienstpflichten der Lehrer enthalten kurz gefasste, allgemein gehaltene Vorgaben zur Aufsichtspflicht. So richtet sich z. B. der Umfang der Aufsichtspflicht nach der geistigen und körperlichen Reife der Schüler, dem Erziehungsstand und den räumlichen Verhältnissen. Ziel der Aufsicht ist die Gefahrenabwehr, um zu verhindern, dass Schüler während der Schulzeit Körper- oder Sachschäden erleiden oder Dritte schädigen. Die Ausübung der Aufsichtspflicht ist somit Teil der pädagogischen Tätigkeit. Schüler sollen dazu erzogen werden, auf ihre Mitschüler und deren Eigentum zu achten. Nutzen Sie daher auch die Aufsicht über Ihre Schüler zur aktiven Werteerziehung und -vermittlung.


Kriterien zur Aufsichtspflicht

Die Rechtsprechung hat drei grundlegende Kriterien entwickelt, mit deren Hilfe die Erfüllung der Aufsichtspflicht überprüft werden kann und die zu entscheiden helfen, welche Maßnahmen wann konkret erforderlich sind:

 

1. kontinuierliche Aufsicht, d. h.: Jeder Schüler muss sich stets beaufsichtigt, beobachtet fühlen. Dies geschieht i. d. R. durch die Anwesenheit eines Lehrers.

 

2. präventive Aufsicht, d. h.: Der aufsichtführende Lehrer muss mögliche Gefahren schon im Voraus erfassen und versuchen, diese zu vermeiden.

 

3. aktive Aufsicht, d. h.: Der Lehrer muss Warnungen, Weisungen und ggf. auch Verbote durchsetzen bzw. bei absehbarem Fehlverhalten eingreifen.


Organisation der Aufsicht

Für die Zeiten, in denen der Unterricht unterbrochen ist, ist die Schulleitung verpflichtet, die Aufsicht zu organisieren bzw. stichprobenartig die Ausübung der Aufsichtspflicht zu kontrollieren.


Arten der Aufsicht

 

- vor Unterrichtsbeginn

Schüler sind vor Beginn und nach Beendigung des Unterrichts zu beaufsichtigen. Als angemessen wird in den Verwaltungsvorschriften der meisten Länder eine Zeitspanne von 15 Minuten jeweils vor und nach dem Unterricht angesehen.

 

- während des Unterrichts

Achten Sie darauf, pünktlich zu Stundenbeginn in der Klasse zu sein und die Schüler bis zum Verlassen des Klassenzimmers zu beaufsichtigen. Sie selbst als Lehrer dürfen das Klassenzimmer nur im absoluten Ausnahmefall verlassen. Sollten Sie Lehrmaterial im Lehrerzimmer oder in der Materialsammlung vergessen haben, prüfen Sie, ob dies nicht ein verlässlicher Schüler holen kann. Sollten Sie doch das Klassenzimmer kurzzeitig verlassen müssen, so darf zu diesem Zeitpunkt keinesfalls Streit oder ungewöhnliche Unruhe herrschen. Beauftragen Sie den Klassensprecher oder einen zuverlässigen Schüler mit der Aufsichtsführung. Haben Sie schulfremde Personen eingeladen, in Ihrer Klasse zu referieren, z. B. Berufsberater, so müssen Sie als aufsichtführende Lehrkraft mit anwesend sein. Wenn Sie einen Schüler, der trotz mehrmaliger Ermahnungen den Unterricht nachhaltig stört, des Klassenzimmers verweisen, sollten Sie diese Entscheidung gründlich prüfen. Kann der Schüler jederzeit damit rechnen, dass seine Anwesenheit vor der Tür stichprobenartig von Ihnen kontrolliert wird, so ist i. d. R. der präventiven Aufsichtspflicht Genüge getan. Neigt der Schüler jedoch zu Kurzschlussreaktionen, so sollten Sie diese Maßnahme unterlassen.

 

- bei Unterrichtsausfall und Freistunden

Auch während Freistunden bzw. bei Stundenausfall müssen die Schüler beaufsichtigt werden, was durch den jeweiligen Vertretungsplan der Schule geregelt wird. Nutzen Sie diese Stunden für Lernspiele oder um Gelerntes mit den Schülern zu vertiefen.

 

- während der Pause

Während der Pause halten sich die Schüler je nach Regelung der Schule im Pausenhof oder im Schulgebäude auf, wofür durch die Schulleitung jeweils aufsichtführende Lehrkräfte eingeteilt werden. Da die Schüler diese Zeit zur Bewegung nutzen, ist die gewissenhafte Ausführung der Aufsicht besonders wichtig. Achten Sie darauf, dass Sie den von Ihnen zu beaufsichtigenden Bereich vollständig einsehen können und diesen jeweils vor den Schülern betreten bzw. erst nach ihnen verlassen.

 

- während der Mittagspause

Auch während der Mittagspause ist eine Aufsicht von der Schulleitung zu organisieren. Älteren Schülern kann während der Mittagspause das Verlassen des Schulgeländes gestattet werden. Jüngeren Schülern hingegen wird die Schulleitung dies nur bei Vorliegen des schriftlichen Einverständnisses der Eltern gestatten.


Ein Beitrag von:

Juliane Stubenrauch-Böhme, München, Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Referentin in der Lehrerfortbildung; derzeit abgeordnet an die Staatliche Prüfungsstelle für Übersetzer und Dolmetscher sowie pädagogische Mitarbeiterin für Deutsch und Fremdsprachen in der Abteilung Berufliche Schulen im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst auf der Seite www.forrefs.de