Äußeres Erscheinungsbild: Des Referendars neue Kleider

Kleider machen Leute, so ist es nun einmal. Und auch wenn man bei sich selbst mal nachhakt: Beurteilt nicht jeder die Menschen erst einmal nach dem Äußeren? Und teilt nicht jeder die Menschen in Kategorien ein, unter anderem anhand ihres Kleidungsstils? Ein Pelzkragen, der das blondglänzende Haar vor den Witterungen des harten deutschen Winters schützt, sendet andere Signale als ein T-Shirt vom letzten Metal-Konzert, dessen Aufdrucke von wallendem Männerhaar bedeckt werden. Ob man Dreadlocks trägt und dazu am liebsten Barfuß und in Haremshosen herumrennt oder sich morgens lieber eine Tube Gel ins Haupthaar schmiert und sich dann seine modische Steppjacke über die Schultern wirft (und am besten noch zur Uni reitet), ist ein nicht zu unterschätzender Unterschied, der auf divergente Verhaltensweisen und Lebenseinstellungen schließen lässt.

 

Wichtig ist also, dass man sich auch als Referendar über seinen Kleidungsstil Gedanken macht und sich entsprechend ausstattet. Wir haben hier ein paar Tipps und Regeln zusammengestellt, die Ihnen helfen können.


Die Jeans: gemütlich

Ein Hoch auf die Jeans! Man kann sie nicht genug feiern, diese wunderbare Errungenschaft des 19. Jahrhunderts! Schon damals waren es Arbeiterhosen. Warum sollte man sie heute also nicht zum Arbeiten tragen? Sie ist (und mit dieser Behauptung lehnt man sich nicht zu weit aus dem Fenster) fast immer angemessen! Aber halt: Jeans ist nicht gleich Jeans. Sie sollten sich pudelwohl in ihr fühlen. Sie sollte nicht zu eng und nicht zu weit sitzen, modisch sein, aber nicht zu hip mit zu vielen Nieten und Löchern versehen. Tendenziell machen dunkle Blautöne und Schwarz mehr her als helle. Die Jeans ist eine wunderbare Basis und wenn sie perfekt sitzt, muss man auch nicht die ganze Zeit an seinem Outfit herumnesteln, um es wieder herzustellen.


Der Rock: nicht zu kurz

Wenn Sie als Mann gerne Röcke tragen, nur zu... Aber vielleicht nicht unbedingt in der Schule. Außer eine Hose würde Sie und ihre Optik vollkommen verfremden. Eine weiteres Szenario, in der eine Ausnahme gilt, wäre etwa folgendes: Sie spielen in einem Theaterstück eine Frau, weil alle Schüler, die in dieser Rolle glänzen könnten, mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett liegen. Oder: Sie machen einen Projekttag zum Thema Schottland und präsentieren die landestypische Kluft. Es gibt allerdings Gerüchte, die Schotten trügen nichts unter Ihren Röcken. Bitte: Tragen Sie immer Unterwäsche! Diese Regel klingt zwar absurd, sollte aber vielleicht zum obersten Prinzip der Lehrerkleidung erhoben werden.

 

Hier wollen wir aber mal klassischerweise vom Rock als Kleidungsstück für eine Frau ausgehen. Und an dieser Stelle ist es Zeit, etwas pathetisch zu werden: Bitte, bitte, tun Sie der Menschheit den Gefallen und tragen keine zu kurzen Röcke! Und wenn Sie schon einen kurzen Rock tragen oder einen sehr engen, kompensieren Sie dies. Tragen Sie in diesem Fall unbedingt (!) blickdichte Strumpfhosen, keine High-Heels und kein zu knappes Oberteil. Kurzum: die Ausgewogenheit macht's aus. Wir wollen hier nicht über Saumlängen diskutieren, sondern an Ihr Stilgefühl appellieren. Der Körper gibt sich nun mal in den Zwanzigern dem Verfall hin. Folgen sind unschöne Oberschenkel. Diese Ehrlichkeit mag erschlagen, schützt aber vor Peinlichkeiten. Und noch etwas: Auch wenn Sie morgens vor dem Spiegel in ihrem Wohlfühl-Schlafzimmerlicht denken "ach passt doch", in einem mit Leuchtstoffröhren ausgestatteten Klassenzimmer sieht die Welt schon ganz anders aus. Merken Sie sich: Leuchtstoffröhrenlicht + durchscheinende Strumpfhosen = Ungute Effekte für Ihre Oberschenkel (außer Sie sind Model). In sowieso jeder Lebenslage, aber ganz besonders zum diesem Thema ist die Lektüre des Blogs Fashionspießer auf Süddeutsche.de empfehlenswert.


Der Blazer: fein

Geht ein Blazer schon zu weit? Auf referendar.de ist man eher skeptisch gegenüber diesem Kleidungsstück. Wunschberuf-lehrer.de sagt: Tragen Sie ruhig einen Blazer. Sie sollten sich in ihm allerdings wohlfühlen. Er sollte Sie nicht verkleiden. Blazer gibt es aus den unterschiedlichsten Materialien. Mögen Sie es legerer, tragen Sie doch einen Cord- oder sogar Jersey-Blazer. Auch Blazer aus festem Leinen sehen toll aus. Tragen Sie nicht zu feinen Zwirn, außer sie gleichen es durch eine lässige Jeans und ein lockeres Shirt wieder aus. Damit wären wir auch schon bei der Kombination: Tragen Sie tendenziell eher keinen Hosenanzug, also eine passende Kombi aus Stoffhose und Blazer. Sie sind jung und arbeiten nicht bei der Bank. Je nach dem welche Position sie innehaben, können Sie sich später schon mal einen Hosenanzug zulegen. Im Referendariat würde es aber vermutlich etwas overdressed wirken. Vielleicht entscheiden Sie sich auch lieber für ein T-Shirt, anstatt eine Bluse zu ihrem Blazer. Und nun noch ein abschließender Tipp: Geraffte Ärmel bei einem Blazer sehen lässig und modern aus.


Das Hemd/ die Bluse: klassisch cool

Jeans und Hemd: Perfekt. Und das gilt für Frauen und für Männer. Orientieren Sie sich bei der Optik an aktuellen Schnitten und Farben. Übertreiben Sie es nicht. Ein Hemd kann wunderbar locker aussehen, wenn es aus gröberen Stoffen ist, ein leichtes Muster hat oder die Ärmel gerafft sind. Es muss auch nicht unbedingt in der Hose stecken. Auch da kommt es auf Ihr Wohlbefinden an. Wie bei allen Kleidungsstücken gilt auch hier: Die Bluse oder das Hemd darf nicht zu eng sitzen, es sollte nicht spannen und schon gar nicht einen Einblick erlauben. Merken Sie sich: Wenn's an der Brust oder am Bauch spannt, greifen Sie lieber zu einer größeren Größe.


Die flachen Schuhe: gesund

Bei der Wahl der Schuhe, schlägt das Gesundheitsargument alle anderen um Längen. Tragen Sie am besten flache Schuhe, auf denen Sie einen guten Halt haben. Der Lehrerberuf ist anstrengend, sie müssen viel stehen und laufen. Ein guter Halt in ihren Schuhen wirkt sich auf Ihre gesamte Körperhaltung, somit auf Ihre Körpersprache und die Kommunikation mit anderen aus. Gerade bei Schuhen ist es wichtig, auf die Qualität zu achten. Das Gehalt als Referendar ist nicht allzu hoch, aber gönnen Sie sich lieber drei gute Paare als zehn Billig-Treter. Von Ballerinas, über Slipper und schlichte Schnürschuhe, bis hin zu Sneakers, Boots und Stiefeln ist alles erlaubt. Die Voraussetzung: Die Schuhe sind geputzt und gepflegt. Chucks sind durchaus angemessen, allerdings nicht, wenn an Ihnen Glöckchen bimmeln, die Freunde von Früher darauf unterschrieben haben (ja, diesen Trend gab es einmal) oder sie am letzten Wochenende ein Festival überstanden haben. Lesenswertes zum Thema gesunde Schuhe gibt es hier. Aber natürlich ist es Ihnen erlaubt, auch Schuhe mit Absätzen zu tragen, wenn Sie es gewohnt sind und sich auf Ihnen sicher fühlen.


Die Frisur: gepflegt

Auch hier gilt: Fast alles geht, solange es authentisch und gepflegt ist. Vielleicht sollten Sie sich vor dem Referendariat überlegen, mit welcher Frisur Sie langfristig klarkommen. Große Typveränderungen vom einen auf den anderen Tag bescheren Ihnen sicherlich viele Sprüche. Bei langen Haaren muss verstärkt darauf geachtet werden, dass sie nicht zottelig aussehen und die Spitzen regelmäßig geschnitten werden. Das gilt für Männer und für Frauen. Was sich weiterhin nicht wirklich anbietet: grelle Farben, Asymmetrie, Blocksträhnen, ein Haaransatz in der natürlichen Farbe, ein verpatzter Ombre-Look, fettige Ansätze. Und, liebe Herren, wenn Sie einen hippen Bart tragen: Pflege ist das A und O. Rasiert sie, massiert sie, ölt sie ein... Lasst es ihnen so richtig gut gehen in Ihren Gesichtern. Denn Bart reimt sich auch auf zart, nicht nur auf hart.


Und zu guter Letzt: Authentizität und Maßhalten!

Bei all diesem Regeln und Tipps gilt: Authentizität ist das wichtigste. Das Styling repräsentiert die Person. Wenn Sie seit Jahren Ihren eigenen Stil haben, der sich vom Mainstream unterscheidet, sollten Sie sich nicht verändern, denn fast nichts ist schlimmer als ein verkleidet wirkender Lehrer. Aber hinterfragen Sie Ihre Garderobe kritisch. Vielleicht gibt es ja das ein oder andere Teil, das durch ein gemäßigteres ersetzt werden sollte. Der Appell an Mäßigung ist kein Aufruf zur Langeweile im Kleiderschrank, sondern eher einer zum überlegten Abwägen. Auch sollten Sie immer auf Körperhygiene achten: Höchstwahrscheinlich fällt Ihnen spontan mindestens ein stinkender Lehrer aus Ihrer Schulzeit ein. Suboptimal. Kümmern Sie sich um Haut, Haare und Nägel, übertreiben Sie es nicht mit den Styling-Produkten, putzen Sie sich gründlich die Zähne und haben Sie am besten immer Minzbonbons dabei.


No-Gos und woran Sie sie erkennen...

  • Ungepflegte Frisuren. Daran merken Sie's: "In Ihren Haaren könnten Vögel nisten!"
  • Flecken auf den Klamotten. Daran merken Sie's "Na, heute gab's wohl Spaghetti Bolognese."
  • Outdoor-Bekleidung. Daran merken Sie's: "Sind Sie hierher gewandert, Frau Müller?"
  • Zu kurze/ enge Röcke. Daran merken Sie's: "Huihuihui... Na, ob Sie damit mal nicht den Kevin ablenken!"
  • Schülerimitation. Daran merken Sie's: "Geh raus. Du gehörst nicht ins Lehrerzimmer!"
  • Immer das gleiche tragen. Daran merken Sie's "Hihihi, der Herr Kruse hat nur zwei Hosen...."