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Historische Pädagogik

Seitdem sich die Menschheit mit Philosophie und der Formung des menschlichen Geistes beschäftigt, gibt es Vordenker, die im Bereich der Bildungsphilosophie immer wieder neue Horizonte erschlossen und für ihre Zeit revolutionäre Vorstöße wagten. Von den Anfängen der Aufklärung bis zur Reformpädagogik des beginnenden 20. Jahrhunderts wurde der Begriff der Pädagogik immer wieder hinterfragt und neu ausgelegt. Hier ein kurzer historischer Rückblick:

Johann Amos Comenius (1592-1670) war zur Zeit des beginnenden 17. Jahrhunderts Vorbote der Aufklärung. Er wollte den Menschen als Ganzes bilden und nicht nur bruchstückhaft einzelne Teile der Menschwerdung herausgreifen. Sein Leitspruch "Omnes omnia omnino" (Alle alles auf alle Weise lehren) war ein revolutionärer und fast unerhörter Ausspruch, denn mit Alle machte Comenius keinen Unterschied zwischen gesellschaftlichem Stand oder Begabung.

Knapp ein halbes Jahrhundert später etablierte John Locke (1632- 1704) seine Idee vom menschlichen Geist als "Tabula Rasa", einer leeren Schreibtafel, die beschrieben werden muss. Die "Tabula Rasa" wird entscheidend durch Erziehung, also das soziale Umfeld, gefüllt. Er unterteilt Erziehung in zwei Aspekte: die körperliche Erziehung und die geistige und sittliche Erziehung. Er geht davon aus, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen kann. Das Ideal war der Englische Gentleman, der Kriterien wie Tugendhaftigkeit und Klugheit erfüllt.

Auch Jean- Jacques Rousseau (1712-1778) war der Meinung, Erziehung müsse unter zwei Gesichtspunkten geschehen, allerdings zählten für ihn andere Aspekte als für Locke. Laut Rousseau brauche es zum einen die öffentliche Erziehung zum Bürger als Teil des Gemeinwesens, zum anderen die häuslich-private Erziehung zum "homme naturel", der ein distanziertes Verhältnis zum Staat pflegt. Die Zeit Rousseaus gilt als Beginn der modernen Pädagogik.

Etwa zur selben Zeit entstanden auch spezielle Erziehungsphilosophien wie die von Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827). Er beschränkte sich eher auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, nämlich die der benachteiligten und armen Kinder. Er wollte ihnen die Fähigkeiten vermitteln, die sie brauchen, um in der Gesellschaft zu bestehen. Durch Handarbeiten sollten sie lernen ihre Existenz zu sichern. Pestalozzi ging von einer Entwicklung in konzentrischen Kreisen aus. Im Mittelpunkt steht die "Wohnstube", gefolgt von Staat und Religion, die den an sich "tierischen" Menschen an die Bestimmung der Sittlichkeit heranführen sollten.

Einen anderen, mehr ichbezogenen Ansatz der Erziehung verfolgte Wilhelm von Humbold (1767-1835). Seine Grundsätze lauten "Bilde dich selbst!" und "Wirke auf andere, durch das was du bist!" Eigene Bildung nach Humbold könne der Mensch nur erfahren, wenn er in der Welt etwas bewirkt oder eine Aufgabe übernimmt. Das höchste Ziel der Menschen sei die Ausbildung der Kräfte zu einem Ganzen. Humbold zielt, wie auch Comenius mit seiner Idee des vertikalen Schulaufbaus, auf eine Gliederung des Schulwesens in drei Stufen.

Mit Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden immer neue Konzepte zur Pädagogik, die zusammenfassend oft als Reformpädagogik bezeichnet werden. Ihre Ideen waren in vielerlei Hinsicht revolutionär und sind oft heute noch richtungsweisend, fanden allerdings zu Beginn der NS-Zeit ihr vorläufiges Ende. Einige Hauptpunkte der Reformpädagogik sind: Pädagogik vom Kinde aus auf Grundlage von Freiheit/Mitbestimmung, Förderung der natürlichen Entwicklung des Kindes, eigenverantwortliches Lernen, individuelle Leistungsbewertung und -beurteilung Strömungen der Reformpädagogik sind zum Beispiel die Schulpflichtbewegung, Anschauungspädagogik, Erlebnispädagogik oder Waldorfpädagogik.

Die wohl bekannteste Reformpädagogin war wohl Maria Montessori (1870-1952), die mit dem Leitspruch "Hilf mir es selbst zu tun!" die Erziehung zur Selbstständigkeit von Kindern in den Vordergrund rückte. Montessoris Pädagogik orientiert sich konsequent am Kind und dessen Bedürfnissen. Es kann von sich aus entscheiden, ob es alleine oder in einer Gruppe die bevorstehenden Aufgaben lösen möchte, ob es dazu vorbereitete Hilfsmittel benutzt, ob es sich Hilfe bei einem älteren Schüler oder der Lehrkraft holt und zu welcher Zeit es welche Aufgabe erledigt. Ziel ist, dass das Kind mit Hilfe einer direkten oder indirekten Fehlerkontrolle eigenständig einen Lösungsweg finden kann. Lehrer müssen hierbei flexibel sein und verstehen sich mehr als Helfer denn als Lehrer.

 

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