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Belastungen im Lehrerberuf

 

Im Folgenden sind - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - die wichtigsten Beanspruchungsmuster zusammengetragen. Es wird zwischen objektiven Belastungen, die aus den Arbeitsbedingungen des Lehrers hervorgehen und subjektiven Belastungen, die durch persönliche Wahrnehmung und kognitive Prozesse wirken, unterschieden.


Objektive Belastungen


Dienstalter/Lebensalter

 

Zwischen beruflicher Belastung und Lebens- bzw. Dienstalter lassen sich keine direkten Zusammenhänge festmachen, vielmehr stehen in den verschiedenen Phasen der Berufsausübung unterschiedliche Belastungsschwerpunkte im Mittelpunkt. Zu Berufsbeginn ist es z. B. der sogenannte „Praxisschock“, in höheren Dienstaltersstufen sind es vermehrt Burnout-Erscheinungen.  

 

Geschlecht

 

Für Frauen besteht generell ein höheres Belastungsrisiko – z. B. aufgrund der häufigen Doppelbelastung von Beruf und Familie oder wegen einer stärkeren Empfänglichkeit für negative Emotionen.    

 

Kognitive Faktoren

 

Es wurde festgestellt, dass sich Lehrkräfte mit zunehmender Kompetenz weniger belastet fühlen und auch weniger Zweifel an ihrer Berufswahl äußern. Diese Personen reagieren in belastenden Situationen souveräner. 

 

Arbeitszeit und Arbeitsstruktur

 

Viele Lehrkräfte empfinden eine hohe Arbeitszeitbelastung und leiden unter der fehlenden klaren Trennung zwischen Beruf und Freizeit. Die wöchentliche Arbeitszeit von Lehrern liegt deutlich über der vieler anderer Berufsgruppen. Im internationalen Vergleich bewegt sich die Arbeitszeit deutscher Lehrer im Mittelfeld.    

 

Unterrichtsfach

 

Fächer mit transparenten und eindeutigen Lernaufgaben werden als weniger belastend empfunden; das Fach Deutsch stellt sich wegen des meist hohen Korrekturaufwandes als zeitintensiv und damit kraftraubend dar.   

 

Schulart

 

Für die einzelnen Schularten stehen spezifische Belastungen im Vordergrund, wie etwa bei Gymnasiallehrern eine vermehrt zeitliche Belastung, bei Grundschullehrern große Klassen.

 

Klassengröße

 

Eine große Klasse stellt für viele Lehrkräfte einen hohen Belastungsfaktor dar. Einige weitere Faktoren sind damit im Zusammenhang zu sehen, sei es z. B. die Anzahl schwieriger oder Schüler. Auf die Leistungsentwicklung der Schüler nimmt die Klassengröße keinen Einfluss.    

 

Interaktion mit Schülern

 

Disziplinprobleme, Unruhe und Unkonzentriertheit empfinden viele Lehrkräfte als negative Auswirkung auf die Unterrichtsgestaltung. Diese Schwierigkeiten haben in den letzten Jahren nach Aussage befragter Lehrer zugenommen.  

 

Beziehung zu Kollegen und Eltern

 

Soziale Unterstützung durch Kollegen und positiv geprägte Beziehungen vermindern das Belastungserleben vieler Lehrkräfte deutlich. Nach wie vor denken etliche Lehrkräfte vorrangig in individuellen Erklärungsmustern, d. h. sie ergreifen nicht von sich aus die Initiative zur Teamarbeit. Eine Schlüsselposition kommt hier dem Schulleiter zu, da er solche Prozesse fokussieren kann.     

 

Verwaltungsaufgaben

 

Viele Lehrkräfte fühlen sich durch die Fülle von Verwaltungsaufgaben (z. B. Schülerbeobachtungen oder Zeugniserstellung) belastet, da sie diese zunächst nicht mit ihrer eigentlichen Aufgabe in Verbindung bringen.  

 

Berufsimage

 

Mangelnde Anerkennung durch die Öffentlichkeit bzw. ein schlechtes Berufsimage wirken belastungsförderlich.    

 

Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeit

 

Unzureichende Bezahlung und geringe Aufstiegsmöglichkeiten werden unter Lehrern immer wieder beklagt. Für Lehrkräfte in Duetschland gibt es relativ wenig arbeitbezogene Zulagen, andererseits beziehen sie im internationalen Vergleich ein gutes Grundgehalt.

 


Subjektive Belastungen

 

Als subjektive Belastungen werden Prozesse verstanden, wie eine Person auf die objektiven – potenziellen – Belastungsfaktoren reagiert. Als Beispiel: Wie nimmt eine Lehrkraft eine bestimmte Störsituation im Unterricht wahr und welche Maßnahmen ergreift sie schließlich? Daraus resultiert die Frage nach den Gründen, weshalb sich bei vergleichbaren Belastungen verschiedene Lehrer unterschiedlich belastet, herausgefordert oder gar überfordert fühlen.

 

Persönliche Selbstwirksamkeit    

 

Darunter versteht man die persönliche Einschätzung von eigenen Kompetenzen, also z. B. die Kompetenz, um auf störendes Schülerverhalten zu reagieren. Höhere Selbstwirksamkeitserwartungen ziehen dabei ein günstigeres Belastungserleben nach sich.   

 

Leistungsängstlichkeit    

 

Ängstliche Personen reagieren sehr unsicher auf Bewertungen aus ihrer Umwelt. So kann eine sachliche Kritik von Kollegen oder von der Schulleitung einen leistungsängstlichen Kollegen sehr beunruhigen und sein Stressempfinden deutlich erhöhen. Lehrer hingegen, die in sich selber ruhen und über eine gewisse Souveränität verfügen, können auf Kritik entweder inhaltsbezogen reagieren oder sie ignorieren diese, ohne Selbstzweifel zu äußern.     

 

Persönliche Ziele   

 

Sowohl Prestige- und Machtziele als auch stark sozial ausgerichtete Ziele führen zu eher ungünstigem Belastungserleben. Es ist ratsam, sich befriedigenden Ausgleich im Privatleben zu schaffen, um nicht all seine Erwartungen an Zufriedenheit im Berufsleben zu bündeln.


 

Auswirkungen von Belastungen

 

Lesen Sie hier, welche Auswirkungen die oben genannten Belastungen auf Sie haben können. ...Mehr