Pädagogisch-didaktisches Praktikum an einer Realschule

Im Großen und Ganzen lassen sich meine Erfahrungen der letzten Wochen in drei Bereiche gliedern: 

Die Beteiligung an der Institution Schule, die Erkenntnisse aus Gesprächen mit den Lehrern und die Reflexion der eigenen Unterrichtsversuche. 

Obwohl ich selbst ein Gymnasium besucht habe, muss ich zugeben, dass ich (trotz des Orientierungspraktikums) noch einiges zu lernen hatte. Intensivierungs- und Ergänzungsstunden waren mir neu, auch mit internationalen Klassen hatte ich vorher noch keinerlei Erfahrungen gemacht. Doch die größte Überraschung war für mich das sehr hohe Niveau des Mathematikunterrichts in den Abschlussklassen des naturwissenschaftlichen Zweiges. 

All diese Dinge haben mir den Abwechslungsreichtum des Lehrerberufs vor Augen geführt, aber auch das hohe Maß an Flexibilität, das einem abverlangt wird. Beispielsweise habe ich vorher nie darüber nachgedacht, wie schwierig es sein muss, seinen Mathematikunterricht an das Niveau der Einzelnen anzupassen. So versteht die eine Klasse selbst simple Mathematik nur rudimentär, die andere Klasse kommt mit Stoff aus der gymnasialen Oberstufe gut klar. 

Sehr aufschlussreich waren auch die Gespräche, vor allem mit den jüngeren Lehrkräften. So habe ich viele Geschichten über das Referendariat und andere Erfahrungen aus der Anfangszeit anderer Lehrerkarrieren gehört, an die ich mich bestimmt noch das ein oder andere Mal erinnern werde. Dabei haben die Lehrer besonders betont, ich solle so oft es nur geht die Möglichkeit nutzen, bereits in den ersten Praktika eigene Unterrichtsstunden zu halten, da man durch diese mit Abstand am meisten lernt. Außerdem stehe man später immer unter Bewertungsdruck, wobei der Spaß am Unterrichten teilweise verloren ginge. Dies habe ich dann auch getan und ich kann diesen Ratschlag nur weitergeben. Beim Vorbereiten, Halten und vor allem bei den Nachbesprechungen mit den Lehrern habe ich sehr viel gelernt. Auch wenn ich feststellen musste, an wie viele Kleinigkeiten ein guter Lehrer denken muss und ich sicher noch vieles besser hätte machen können, hat doch der Spaß überwogen. Hinterher dann zu hören, dass man auch schon so einiges richtig macht und eine positive Reaktion von den Schülern zu bekommen, ist selbstverständlich die größte Motivationshilfe, die ein angehender Lehrer bekommen kann. 

So bin ich nach meiner eher schlechten Erfahrung im Orientierungspraktikum sehr dankbar für die gut organisierte Betreuung in den letzten Wochen. Man hat sich hier doch wirklich Zeit für uns Praktikanten genommen. Wir wurden als zukünftige Lehrer ernst genommen und hatten alle Möglichkeiten, möglichst viele Facetten des Schulalltags kennenzulernen. 

So durfte ich unter anderem auch die Schulmannschaft zu einem Fußballturnier begleiten. Ich freue mich schon sehr darauf im September zu meinem zweiten Teil des pädagogisch-didaktischen Praktikums wiederzukommen. 

Insgesamt bin ich nach meinen ersten drei Praktikumswochen sehr zufrieden und erleichtert, denn ich fühle mich nun in dem Gefühl bestärkt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. 

(Student LA Realschule)

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