Pädagogisch-didaktisches Praktikum an einer Förderschule

Meine Erfahrungen im ersten Teil des pädagogisch-didaktischen Praktikums sind nicht leicht auf den Punkt zu bringen. Für diesen Bericht finde ich keinen passenden Anfang, weil sowohl mein Start, als auch die gesamte restliche Zeit meines Praktikums unglücklich verlaufen ist. 

Montag betrete ich morgens das Klassenzimmer und bin ich gespannt, was mich die nächsten Wochen erwarten wird. Die zehn Schüler zwischen 16 und 20 Jahren empfangen mich freundlich und aufgeschlossen, wenn nicht sogar ein bisschen zu freundschaftlich. Ich hatte mir für dieses Praktikum fest vorgenommen, mich daran zu gewöhnen, mit dem Nachnamen angesprochen zu werden. Doch als ich an der Reihe bin, mich vorzustellen, komme ich mir lächerlich vor ... und ziehe es nicht wie gewollt durch.  Dadurch werde ich von den meisten wohl endgültig als gleichaltrig betrachtet. 

Als die Klassenleitung endlich Zeit findet, mich in die Situation in der Klasse einzuführen, bin ich schon so verunsichert und skeptisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie die nächsten 4 Wochen verlaufen werden. Im Stundenplan der Schüler finden sich viele praxisbezogene Unterrichtseinheiten wieder, damit sie bestmöglich auf den Start ins Leben nach der Schule vorbereitet werden. Ich werde einen Teil der Schüler in Hauswirtschaft und Nähen begleiten. Den Rest der Woche sitze ich in der kleinen Essecke des Klassenzimmers und lausche bereitwillig dem nicht stattfindenden Unterricht der wenig engagierten Lehrerin. 

Ich bin nun sicher, dass ich in diesem Praktikum nicht die gewünschten Ziele erreichen werde, kapituliere und verbringe die nächsten Wochen damit, über meine „Karriere“ als Lehrer nachzudenken. In der letzten Woche stellt meine unmotivierte Praktikumslehrkraft fest, dass es eine nette Idee sein könnte, wenn ich in Zukunft ihren Unterricht halte – also tue ich wie mir befohlen. Ich werde von Tag zu Tag aufs Neue ins kalte Wasser geworfen, halte unvorbereitete Unterrichtsstunden, die weder die Lehrkraft noch ich ausgearbeitet haben, und versuche aus der Situation das Beste zu machen. Die Schüler sind insoweit motiviert, als dass sie sich bemühen, meinen undefinierbaren Versuchen, einen den Umständen entsprechend guten Unterricht zu halten, zu folgen. Nach diesen, in meinen Augen missglückten Versuchen frage ich mich, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe und ob ich wirklich Lehrerin für Sonderpädagogik werden soll. 

An meinem vorletzten Tag werde ich gebeten, in der kommenden Woche einen nun wirklich vorbereiteten Unterricht zu halten, weil die Lehrkraft auf eine Fortbildung muss. Ich stimme zu und hoffe, dass alles gut wird. Als ich an dem besagten Tag die Schule betrete, erfahre ich, dass die Lehrkraft weder etwas vorbereitet hat, noch in der Schule erschienen ist, da sie zum wiederholten Male krank war. Auf die Schnelle denke ich mir also ein paar Matheaufgaben aus und halte wieder einmal einen komplett unvorbereiteten Unterricht. Zu meinem Erstaunen arbeiten alle Schüler fleißig und gut mit und liefern sogar Ergebnisse. 

Drei Wochen später bekomme ich einen Anruf der Lehrerin, die sich für die missglückte Praktikumszeit entschuldigt und mich bittet, noch ein letztes Mal in die Schule zu kommen – mit äußerst freundlicher Begrüßung, Kaffee und Kuchen, einem riesigen Strauß Blumen und einer großen, selbstgebastelten Karte. 

Nun habe ich doch das Gefühl, auch in dem Chaos etwas richtig gemacht zu haben, freue mich auf das nächste Praktikum und auf einen hoffentlich besser strukturierten Unterricht.

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