Orientierungspraktikum an einer staatlichen Grundschule

Da eine Bekannte von mir Grundschullehrerin ist, war es für mich sehr einfach eine Schule für mein Orientierungspraktikum zu finden. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, ob und wenn ja welches Lehramtsstudium ich ergreifen wollte - Also probierte ich einfach mal aus, wie das Leben in der Grundschule denn so aussieht. 

Am Anfang war ich sehr überrascht von der Situation, denn so konnte ich mich an die Grundschule selbst gar nicht mehr erinnern: Das Klassenzimmer war sehr persönlich gestaltet, überall hingen von den Kindern gemalte Bilder und selbst gebastelte Dinge an den Wänden. Es gab eine Couchecke, viele Spiele und Bücher für zwischendurch. Viele Rituale waren Teil eines Schultags: So trafen sich zum Beispiel Montagmorgens alle Kinder in einem Sitzkreis und erzählten vom Wochenende, verschiedene Dienste kümmerten sich um die Tafel, die Pflanzen oder die Garderobe, und einige Lieder wurden immer wieder zur Auflockerung gesungen. 

Zwei Dinge blieben mir allerdings ganz besonders im Kopf: Die Offenheit und die Motivation der Kinder! Ich wurde sehr herzlich von den Kindern empfangen und am Ende der Woche wollten sie mich schon gar nicht mehr gehen lassen. Auch das Verhältnis zu ihrer eigenen Lehrerin war sehr eng und man merkte, dass sie ihnen wirklich wichtig und auch für einige ein Vorbild war. Eine solche Beziehung zu einer Lehrkraft gibt an weiterführenden Schulen leider nur sehr selten. Der Punkt der Motivation war auch wirklich bewundernswert. Nach neun Jahren Gymnasium kann man sich gar nicht mehr vorstellen wie sich plötzlich 25 Kinder melden, wenn man doch nur gefragt hat, wer etwas vorlesen möchte oder wer gerne die Hefte einsammeln würde. Egal um was es ging - es war unübersehbar, dass die allermeisten Kinder Spaß an der Schule hatten und jeden Morgen mit Freude kamen. Und das übertrug sich auch sehr schnell auf mich! 

Auch im Lehrerkollegium lief alles okay. Natürlich fühlt es sich komisch an sich zum ersten mal im Lehrerzimmer aufzuhalten, aber auch daran gewöhnt man sich nach einer Weile. Und bald sitzt man zusammen, und isst den Geburtstagskuchen, den jemand mitgebracht hat! 

Meine Praktikumslehrerin ließ mich in dieser Woche sehr viel ausprobieren. Es gab öfter kleine Phasen, in denen ich vor der Klasse stand, und einmal hielt ich sogar eine ganze Englisch-Stunde. Darüber bin ich nun ziemlich froh, denn es ist wirklich etwas ganz anderes selbst vorne zu stehen und die gesamte Klasse zu unterrichten, als nur zuzusehen oder auch ab und zu einzelnen Schülern zu helfen. Auch wenn es durchaus eine sehr große Herausforderung ist bei so vielen Kindern den Überblick zu behalten, jedes Kind individuell zu sehen, niemanden abdriften zu lassen, Ruhe in der Klasse zu haben und trotzdem den Stoff gut zu vermitteln - Es ist eine schöne Herausforderung und hat sehr Spaß gemacht! 

Fazit:
Nach dieser Woche war ich mir sicher, dass Grundschullehramt die richtige Studienwahl war! 

(Studentin LA Grundschule)

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