Orientierungspraktikum an einer privaten Grundschule

Nach meinem ersten Studiensemester habe ich eine Woche meines Orientierungspraktikums an einer evangelischen Grundschule absolviert. Ich hatte eine private Schule - staatlich anerkannt und  in privater Trägerschaft – ausgewählt, weil ich vergleichend die Unterschiede zu einer staatlichen Schule betrachten wollte. Darüber hinaus war für mich gerade die evangelische Ausrichtung der Schule interessant, da ich evangelische Religionslehre studiere. Als Studentin des Lehramts für Gymnasien wollte ich eine weitere Schulart kennen lernen, um meine Studienwahl zu überdenken. 

Bereits bei meiner telefonischen Anfrage um einen Praktikumsplatz wurde mit mir sehr herzlich umgegangen, wodurch ich sehr motiviert war, mein Schulpraktikum anzutreten. Ich hatte das Gefühl, an der Schule als Praktikantin willkommen zu sein. Dieser Eindruck hat sich im Laufe meines Praktikums immer wieder bestätigt. 

Die ersten drei Tage habe ich in einer dritten Klasse verbracht, die letzten beiden Tage in einer zweiten Klasse. Meistens habe ich den Unterrichtsverlauf von meinem Platz hinten im Klassenzimmer verfolgt. Oft wurde ich jedoch auch von Lehrern darum gebeten, bei der Betreuung der Schüler in Gruppenarbeits- oder Stillarbeitsphasen zu helfen. Hierbei hat mich am meisten beeindruckt, dass die Schüler sehr motiviert waren, etwas zu lernen und die Aufgaben gut zu lösen. In meinem vorherigen Orientierungspraktikum am Gymnasium habe ich diese Neugier und Eigenmotivation der meisten Schüler leider vermisst. Bereits nach meinem ersten Praktikumstag habe ich mit den Lehrern darüber gesprochen, dass ich im Laufe der folgenden Tage einige Unterrichtssequenzen gestalten und sogar eine ganze Unterrichtsstunde halten könnte. Ich habe mich sehr über die Offenheit und das Engagement der Lehrer gefreut und mich so begeistert an das Vorbereiten des Unterrichts gemacht. Bei der Gestaltung meines Unterrichts wurde ich von den Lehrern unterstützt und durfte auch eigene Ideen umsetzen. Meine ersten Erfahrungen in der Rolle als Lehrerin waren insgesamt positiv. Vor der Klasse habe ich mich wohl gefühlt und ich hatte das Gefühl, dass mich die Schüler als Respektperson akzeptieren. 

Im Vergleich zu einer staatlichen Schule zeichnet sich die evangelische Privatschule dadurch aus, dass alle Schüler den evangelischen Religionsunterricht besuchen. Es besteht also nicht die Möglichkeit, an einem Ethikunterricht teilzunehmen. Ansonsten ist der Lehrplan mit dem einer staatlichen Grundschule identisch. Der Schulalltag der Schüler ist von täglichen Andachten, Gebeten vor dem Frühstücken im Klassenverband und religiös motivierten Geburtstagsritualen gezeichnet. Wie die Schüler den Glauben in ihren Alltag einbetten und diesen in Gemeinschaft leben, hat mir sehr gut gefallen. Darüber hinaus ist für die Schule charakteristisch, dass sich die Lehrkräfte zum christlichen Glauben bekennen. Diesen Aspekt des Schullebens habe ich unter anderem im Lehrerzimmer wahrgenommen. So prägen tägliche Morgenandachten und Gespräche über den Glauben den Schulalltag der Lehrer. 

Insgesamt scheint mir die Situation an der Privatschule etwas entspannter zu sein als an einer staatlichen Schule. Kleine Klassen, eine große Menge an Zusatzangeboten, motivierte Lehrer und (nach Angaben der Lehrer) engagierte Eltern kennzeichnen mein Bild der Privatschule. Aufgrund dieser Erfahrung könnte ich mir vorstellen, irgendwann an einer privaten Schule zu unterrichten.  

Für mich war es wichtig, durch das Praktikum herauszufinden, ob meine angestrebte Schulform zu mir passt. Da es mir an der Grundschule sehr gut gefallen hat, habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich meinen Studiengang wechseln soll. Jedoch hat mir mein Praktikum am Gymnasium gezeigt, dass es mir auch gefallen würde, ältere Schüler zu unterrichten, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, zuerst das nächste Schulpraktikum abzuwarten, bevor ich eine Entscheidung treffe. 

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass mich mein Praktikum sehr in meiner Berufswahl bestätigt hat. Ich hatte eine sehr interessante, erfahrungsreiche und schöne Zeit in der evangelischen Grundschule. 

Ella Albers (Studentin LA Gymnasium)

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