Orientierungspraktikum an einer Förderschule für geistige Entwicklung (Grundschulstufe)

Nach nur einem dreiviertel Jahr stehe ich das erste Mal auf der anderen Seite im Klassenzimmer. Ich sollte die erste Klasse am Förderzentrum für geistige Entwicklung für die nächsten zwei Wochen besuchen. Ohne Vorkenntnisse - ohne besondere Einweisung. Als ich dann am ersten Tag meines Praktikums im täglichen Stuhlkreis „aufwachte“, war ich schockiert. Kinder, die nicht sprechen können; Kinder, die durch ihre dauernden Ticks auffallen - und dazwischen zwei für mich vollkommen normale Kinder. Kinder, die lesen und schreiben können, die leichte Aufgabenstellungen verstehen.

Diese bunte Gruppe kleiner Zwerge erstaunte mich in jeder Hinsicht. Der Morgenkreis begann mit der Erarbeitung des Stundenplans, dem Datum und des Wetters - und das alles von den Kindern selbst. Aufgaben, die ich in der Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung so nicht erwartet hatte. Nach den Erzählungen vom Wochenende durch die Kinder, bzw. deren Schulbegleiter, begann der reguläre Unterricht. Die einfachen und kurzen Übungen wurden von allen verschieden schnell und präzise angefertigt. Manche benötigten viel Hilfe (zum Beispiel beim Schneiden), andere waren sehr selbstständig und fleißig; die einen verstanden die Aufgabenstellung schnell, den anderen musste man es oft erklären, bis sie mit Hilfe auch bereit waren, die Aufgabe zu „bewältigen“. 

Die anschließende Pause kostete mich regelmäßig viele Nerven, denn ich bekam sofort das (wahrscheinlich) schwierigste Kind der Klasse zugeteilt. Als alle sich ausgepowert hatten, fand noch mal eine kleine Lernrunde statt, in der meistens die Kinder individueller gefördert werden sollten. Lese- und Schreibübungen fanden in Kleingruppen, bzw. in Einzelförderung statt. 

Der Unterricht in der ersten Klasse fand täglich nur bis 11.45 Uhr statt. Einige der Schüler besuchten anschließend noch die Mittagsbetreuung. Ich war allerdings nur im regulären Vormittagsunterricht anwesend. 

Die tägliche Routine und Gleichmäßigkeit stellt für die Kinder einen wichtigen Teil in der Alltagsbewältigung dar. So waren alle zehn Unterrichtstage sehr monoton. Das bereitete mir viel Kopfzerbrechen darüber, ob ich das richtige Studium gewählt habe und ob dieser Beruf das ist, was ich die nächsten 40 Jahre machen möchte. 

Letztendlich bin ich aber zu dem Entschluss gekommen, dass man sich vom ERSTEN Praktikum nicht davon abbringen lassen soll. Zweifel gehören wohl zu jedem zukünftigen Job dazu. 

(Studentin LA Sonderschule Hauptschule)

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