Orientierungspraktikum an einem Gymnasium

Nach meinem ersten Studiensemester habe ich mein Orientierungspraktikum an einem Gymnasium abgeleistet. Ich war sehr froh überhaupt einen Platz erhalten zu haben, da ich mich, nachdem ich krankheitsbedingt ein anderes Praktikum absagen musste, lediglich zwei Wochen im Voraus beworben habe. 

Am ersten Tag wurde ich herzlich von meinem Praktikumsbetreuer begrüßt, der mir den Praktikumsablauf erläutert und die Schule gezeigt hat. Ich war sehr erleichtert, dass ich so freundlich empfangen wurde. Leider hat diese positive Erfahrung nicht mein gesamtes Gymnasialpraktikum gezeichnet. Kaum älter als die Schüler der zwölften und 13. Klasse, wurde ich von wütend brüllenden Lehrern in der ersten Pause gebeten, den Lehrertrakt zu verlassen. Auch nachdem ich mich dem Lehrer als Praktikantin vorgestellt habe, ließ mich dieser zwar in Ruhe, schien aber dennoch nicht sehr interessiert an mir gewesen zu sein.

Von den Fachlehrern, deren Unterricht ich besucht habe, wurde auf mein Beisitzen im Unterricht auf verschiedene Weise reagiert. Einige Lehrer waren eher genervt davon, dass ich in der Zeit meines Praktikums ihren Unterricht beobachten würde. In diesen Unterrichtsstunden habe ich hinten im Klassenzimmer gesessen, habe dem Unterricht gefolgt und bin meist ohne jegliche Nachbesprechung zur nächsten Unterrichtsstunde oder in die Pause gegangen. Leider habe ich mehrfach erfahren, dass es durchaus Lehrer gibt, die versuchen die Unterrichtszeit mit ihren Schülern totzuschlagen und dabei selbst möglichst wenig Arbeit zu haben. Eine beliebte Unterrichtsmethode scheint hierbei das Zeigen von Spielfilmen zu sein, sofern sie auch nur ansatzweise mit dem Unterrichtsthema zusammenhängen. Glücklicherweise habe ich im Rahmen meines Orientierungspraktikums auch sehr engagierte Lehrer kennen gelernt, die mich als Praktikantin ernst genommen haben. Diese Lehrer, die eher jungen Alters waren, haben sich sehr darum bemüht, dass ich in meinem Praktikum etwas lerne. Mir wurde es ermöglicht, erste Erfahrungen im Unterrichten zu sammeln. Anschließend habe ich interessante und hilfreiche Feedbackgespräche geführt und konnte somit meinen Wunschberuf überdenken. Darüber hinaus habe ich mir einige Unterrichtsmethoden der Lehrer abgeschaut. Hierbei bleibt mir vor allem das Erklären von Vektorrechnung anhand von Spielzeughäusern im Gedächtnis geblieben. 

Das Praktikum im Gymnasium hat mir demonstriert, dass dem Lehrerberuf ganz verschiedene Facetten innewohnen. So ist ein Lehrer einerseits mit der didaktischen und fachlichen Aufbereitung des Unterrichtsstoffs beschäftigt, hat jedoch auch viel mit dem sozialen Umfeld der Schüler zu tun. Ich habe an einigen Stellen mitbekommen, dass Schüler sich mit Problemen in ihrer Familie, im Freundeskreis oder im Klassenverband an die Lehrer gewandt haben. 

Ein sehr wichtiger Aspekt bei dem Orientierungspraktikum war für mich, dass ich mich selbst und meine Talente besser kennen gelernt habe. Ich habe sehr viel über meine Eignung als Gymnasiallehrerin nachgedacht und habe mein Verhalten vor der Klasse reflektiert. Wichtige Fragen waren für mich: Fühle ich mich wohl? Kann ich mir vorstellen diesen Beruf zu machen? Wie komme ich bei den Schülern an? Kann ich den Unterrichtsstoff gut vermitteln? Kann ich mich in den einzelnen Schüler hineinversetzen? Wie will ich als Lehrerin sein?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich in meinem Praktikum sowohl positive, als auch negative Erfahrungen gesammelt habe. Mir scheint der Lehrerberuf ein sehr facettenreicher, interessanter, aber auch anstrengender Beruf zu sein. Ich freue mich darauf, in meinem nächsten Praktikum weitere Impressionen vom Schulleben aus Lehrerperspektive zu erhalten und weiterhin meine persönliche Eignung zum Lehrerberuf zu überprüfen. 

Ella Albers (Studentin LA Gymnasium)

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