Orientierungspraktikum an einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Lernen, Sprache und Verhalten (Grundschulstufe)

Durch meine Erfahrung im Rahmen meines Praktikums an der Förderschule für geistige Entwicklung bin ich nicht ganz so nervös, bevor ich in meine neue Klasse komme. Die 4. Klasse des Förderzentrums besteht aus 13 Schülern zwischen neun und elf Jahren, einer Klassenlehrerin und einer weiteren Sonderpädagogin, sowie einer Handarbeitslehrerin. Die Schüler der Klasse sind hauptsächlich von Problemen im Bereich der Konzentration und Merkfähigkeit betroffen. 

Die Kinder werden nach dem Lehrplan der 3. Klasse der Grundschule unterrichtet, jedoch besteht immer die Möglichkeit, davon abzuweichen und individuell auf die Schüler einzugehen. Schnell fällt mir auf, dass die Schüler massive Probleme mit Abweichungen von der Normalität haben, und dass ein geregelter Tagesablauf nach Schema sehr wichtig für sie ist. Rhythmisierung und Struktur haben einen hohen Stellenwert im Unterrichtsgeschehen. 

Anfänglich habe ich Schwierigkeiten, auch mal ins Geschehen einzugreifen und mich aktiv einzubringen, das gibt sich allerdings schon am vierten Tag und ich fühle mich der Klasse zugehörig und werde auch als Respektsperson akzeptiert. Den Kindern wird meine Meinung zunehmend wichtiger und ich bekomme auch viele Aufträge von der Klassenlehrerin. So habe ich einige Hausaufgaben mit den Kindern, die große Probleme damit hatten, wiederholt, korrigiert und verbessert. Deswegen konnte ich den Lehrerinnen auch berichten, wo es noch hakt oder was die Kinder bereits verstanden haben. Außerdem bekomme ich nun einen tieferen Einblick in die Klassengemeinschaft, die Freundschaften und die Probleme, die die Kinder miteinander haben. 

Eine wichtige Lektion, die ich lernen durfte, ist, dass man die Kinder auch einmal für kurze Zeit untereinander lassen sollte, damit sie ihr Sozialverhalten ungestört in der Klasse erproben können. Es ist nicht immer nötig einzugreifen. Manchmal lösen die Kinder ihre Probleme viel einfacher untereinander und verbessern so ihr Verhalten in der Gruppe. 

Im Gegensatz zur Schule für Kinder mit geistiger Behinderung, die einen Querschnitt durch alle Schichten der Bevölkerung darstellt, befinden sich hier am Förderzentrum meistens Kinder aus sozialen Brennpunkten. Fast schon beschämend ist für mich die Tatsache, dass wir eben nicht alle mit den gleichen Bedingungen ins Leben starten, sondern manche Kinder von Geburt an schlechtere Bedingungen haben, als andere. 

Dennoch ist hier meiner Meinung nach Mitleid fehl am Platz – aktives Interesse an den Kindern, ein gutes Zeit- und Unterrichtsmanagement, sowie die Liebe zu Kindern und die Fähigkeit, verzeihen zu können, ist hier viel wichtiger. 

Laura Haug (Studentin LA Sonderschule)

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