24.11.2016
09:30

Respektvolles Miteinander durch gewaltfreie Kommunikation

Kommunikation ist eine der Hauptaufgaben eines Lehrers. Jeden Tag tritt er in Interaktion mit den unterschiedlichsten Menschen: Schüler, Eltern und Kollegen. Das ist eine große Herausforderung. Wie Kommunikation gelingen kann - privat und im Beruf - erklärt die Sozialpädagogin Petra Jaeger im Interview mit Wunschberuf-Lehrer.

Was genau kann man unter gewaltfreier Kommunikation verstehen?

Gewaltfreie Kommunikation (Anm. d. Red.: kurz GFK) ist eine Methode, die dazu verhilft, Konflikte friedlich zu lösen. Darüber hinaus ist die sie ein Weg zu einem tiefer gehenden gegenseitigen Verständnis, was wiederum zu echter Gemeinschaft zwischen Menschen führt, in der alle zum gegenseitigen Wachsen und Entfalten aller beitragen. Die Methode basiert auf der Grundannahme, dass alle Menschen in ihrem Tun durch ein Streben nach Erfüllung von Bedürfnissen motiviert sind. Solche Bedürfnisse sind zum einen materieller Art. Dazu gehören zum Beispiel Nahrung, Kleidung, Wärme, etc. Zum anderen sind sie nicht materieller Art. Zu letzterem gehören Liebe, Gemeinschaft, Verbundenheit, Schönheit, aber auch Feiern und Ähnliches. Diese Bedürfnisse verbinden uns Menschen miteinander. Sind die Bedürfnisse gut genährt, empfindet der Mensch Gefühle wie Freude, Euphorie, Leichtigkeit, etc. Sind Bedürfnisse nicht erfüllt, verspüren wir Trauer, Wut, Angst, Ratlosigkeit, und Ähnliches. Die Gefühle haben also eine Art Ampelfunktion. Konflikte zwischen Menschen entstehen dann, wenn wesentliche Bedürfnisse von meinem Gegenüber nicht erfüllt werden. Sobald ich "negative" Gefühle spüre, kann ich mit Hilfe der GFK mir selber und meinem Gegenüber klar machen, was in mir und zwischen uns los ist. Die vier Schritte dieser Methode sind erstens: Beobachtung schildern, zweitens: Die Gefühle formulieren, drittens: Mein Bedürfnis mitteilen und vierten eine Bitte aussprechen. Das bedeutet: Ich beobachte eine bestimmte Situation und versuche, dies wertfrei zu tun. Ich nehme die Gefühle wahr, die in mir wach werden. Ich benenne mein Bedürfnis, das durch das Geschehen berührt wird. Und ich äußere eine Bitte, die sich auf das konkrete Handeln, das ich mir von meinem Gegenüber erhoffe, bezieht. Mit Hilfe dieser vier Schritte ist es in jedem zwischenmenschlichen Kontakt möglich, zu klären, was ich brauche und was mein Gegenüber braucht, damit es uns in unserem Zusammensein gut geht. Diese Methode ist einfach und klar und absolut jederzeit und überall anwendbar. Übrigens auch für jeden einzelnen mit sich selbst, sofern er/sie in sich irgendeine Art von Unbehagen spürt. Ich kann jederzeit innerlich diese Schritte gehen, um mir selber klar zu werden, was ich jetzt brauche, um wieder in innere Ausgeglichenheit zu kommen- und damit auch für meine Mitmenschen eine verträgliche Person zu sein.

Was ist das Positive an der Idee der GFK?

Für mich ist das Überzeugende, dass der GFK ein absolut positives Menschenbild zugrunde liegt, das ich gerne teile. Wenn ich davon ausgehe, dass wir alle im Grunde gerne dazu beitragen wollen, dass es jedem einzelnen und uns miteinander als Gemeinschaft gut geht, dann befreit mich das dazu, meine Mitmenschen in einem anderen Licht zu sehen und mich ihm verbunden zu fühlen. Ich erkenne sein Verhalten als Ausdruck seines Strebens nach Erfüllung eines Bedürfnisses - und nicht als etwas, was möglicherweise gegen mich gerichtet ist. Diese Haltung und die damit verbundene Grundannahmen provozieren oftmals viel Widerspruch, vor allem angesichts von Gewalttaten und Verbrechen- und sind Zündstoff für Diskussion! Dennoch überzeugen mich diese Grundannahmen seit Jahren immer wieder neu. Nicht zuletzt hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Mediation, die ja auf GFK beruht, ein Weg gezeigt, wie auch schwierige und hochexplosive Konflikte friedlich von den Beteiligten selber gelöst werden können - und das sogar auch in politischen Konflikten zwischen Nationen.

Welche Erfahrungen hast Du mit GFK, sowohl privat, als auch beruflich machen können?

In meinem Beruf habe ich viel mit Jugendlichen zu tun, die massive Schwierigkeiten in der Schule haben, weil sie sich zu wenig "anpassen", als "respektlos" und grenzüberschreitend beschrieben werden, zu wenig "Arbeitsbereitschaft" zeigen etc. Mit Hilfe der inneren Grundhaltung der GFK, die eine Wertschätzung meines gegenüber impliziert, gelingt es immer, in positiven Kontakt zum anderen zu kommen, weil mein Gegenüber diese Wertschätzung und den Respekt mitbekommt und mir dann auch anders entgegen treten kann. Aber auch in vielen Alltagssituationen ist GFK hilfreich: Wenn es um Gruppenscheidungen geht, oder auch wenn Konflikte gelöst werden müssen. Natürlich ist GFK auch für die Zusammenarbeit mit den Kollegen relevant. Mit GFK können die Bedürfnisse erfasst werden, die die Beteiligten haben und Wege gefunden werden, wie diese möglichst gut erfüllt werden können.

 

Inwiefern können die Prinzipien der GFK auch für Lehrer an allgemeinbildenden Schulen hilfreich sein?

Im konkreten Schulalltag hilft GFK, Konflikte zu lösen und zwar sowohl Konflikte innerhalb einer Schulgruppe als auch Konflikte, die ich als Lehrer mit einzelnen Schülern habe. GfK kann auch dazu verhelfen, mir meiner Rolle als Autoritätsperson im hierarchisch strukturierten System Schule bewusst zu werden: wie will ich diese Rolle nutzen? Welche Bedürfnisse erfülle ich mir mit meinem beruflichen Tun? Welchen Weg will ich gehen, um diese zu erfüllen? Wie will ich mich im Verhältnis zu den Schülern sehen? Zur Beantwortung dieser Fragen kann GFK hilfreich sein. Und schließlich - und das finde ich sehr erfreulich- ist es ja mittlerweile an vielen Schulen alltäglich geworden, Schüler zu Streitschlichtern auszubilden, die ja genau mit dieser Methodik arbeiten. Es freut mich zu sehen, dass damit auch die Schülerin und Schüler mit diesem Weg zur Verständigung und Konfliktlösung vertraut werde, und lernen, den anderen in ihrer Eigenverantwortung zu unterstützen.

Vielen Dank für das Interview!

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  • 1 Kommentar(e)
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Gravatar: Sabine klauserSabine klauser
09.06.2017
08:34
Thalia

Hihihuuiihhi gewaltfreies umgehen ist nichts für thalia

Mein Kommentar

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