24.11.2016
08:56

Shakespeare im Englischunterricht – ist das zeitgemäß?

To be or not to be, that is the question*. Oder anders gefragt: Gehört Shakespeare in die Lehrpläne des Gymnasiums? Viele haben sich während ihrer Schulzeit mit Shakespeares Dramen auseinandergesetzt. Oft wird diese Lektüre von Schülern (und Lehrern) als mühsamer Kampf gegen die frühneuenglische Sprache empfunden. Dennoch ist Shakespeare in den meisten Bundesländern in den Lehrplänen der gymnasialen Oberstufe fest verankert.

 

 

 

Es gibt kaum Themen, die in der Englischdidaktik so umstritten sind wie Shakespeare. Sind seine Dramen veraltet, für Schüler kaum zugänglich, sondern im Gegenteil - eher abschreckend? Oder ist Shakespeare ein elementarer Teil kultureller und literarischer Bildung, den zu vermitteln Schulen verpflichtet sind?

 

 

 

Zur Erörterung dieses Themas lohnt sich ein Blick auf die Frage, was Englischunterricht heutzutage überhaupt leisten will. Die Bildungsstandards für Englisch im Gymnasium geben darüber Aufschluss. Zuerst einmal intendiert der Englischunterricht die Beherrschung der englischen Sprache. Es geht darum, dass die Schüler sprachlich-kommunikative Kompetenzen entwickeln. Außerdem sollen die Schüler den Umgang mit Medien, sowie Präsentations- und Arbeitstechniken erlernen. Darüber hinaus sollen die Schüler kulturelle Kompetenzen erlangen. Neben dem Erwerb landeskundlichen Wissens geht es hierbei um den Ausbau interkultureller Kompetenzen. Zu guter Letzt will der Englischunterricht zum Umgang mit Texten - unter anderem mit authentischer, angemessener Lektüre - befähigen. An der Schnittstelle von Literaturdidaktik und Kulturdidaktik ist Shakespeare im Englischunterricht anzusiedeln. Zum einen geht es bei der Behandlung seiner Dramen um den Umgang mit kulturellem Gut, zum anderen um die Arbeit am literarischen Text und dem Kennenlernen der Gattung Drama. In der aktuellen Diskussion scheint die Lektüre Shakespeares im Unterricht in einer Spannung zwischen einer herausragenden kulturell-literarischen Relevanz und der maßlosen Überforderung von Schülern zu stehen.

 

 

 

In den Werken Shakespeares begegnet den Lesern und Hörern eine künstlerisch-ausgeschmückte Sprache, die sich sehr von dem modernem Englisch unterscheidet. Die Grammatik und das Vokabular der Texte sind den Schülern fremd. Es ist die Sprache speziell des Theaters Shakespeares des 16. und des frühen 17. Jahrhunderts, die in den Dramen Verwendung findet. Selbst für Muttersprachler ist sie daher nicht leicht verständlich. Aus diesem Grund ist es für Lehrer bei der Behandlung Shakespeares im Unterricht besonders wichtig, dass sie Methoden wählen, die den Schülern einen Zugang zu dem Werk und der Sprache ermöglichen. Unterricht komplexer Literatur ist häufig stark gelenkt, um zu verhindern, dass die Schüler auf dem Weg verloren gehen.

 

 

 

Immer häufiger wird im Englischunterricht auf sogenannte Easy Readers zurückgegriffen. Hierbei handelt es sich um fremdsprachige Bücher, die komplizierte Lektüren vereinfachen. Die Sprache wird an das Niveau der Schüler angepasst, wobei der Charakter des Originals beibehalten werden soll. Darüber hinaus wird mit Erklärungen und Vokabelangaben in Fußnoten gearbeitet. So soll die Gefahr der Überforderung umgangen, den Schülern aber dennoch ein Zugang zu zentraler Literatur geboten werden.

 

 

 

Egal ob Originaltexte oder Easy Readers verwendet werden: Wichtig ist, dass der Literaturunterricht an der Schülergruppe orientiert ist. Er muss die sprachlichen Kompetenzen, das kulturelle Wissen, die literaturwissenschaftlichen Fähigkeiten und die Interessen der Schüler berücksichtigen und an diesen anknüpfen.

 

 

 

 

* Shakespare, William. Hamlet, 3. Aufzug, 1. Szene.

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