16.08.2016
21:46

Gendersensible Sprache in Unterricht und Schule

Einige benutzen gendersensible Sprache ganz selbstverständlich. Sie sprechen von Schülerinnen und Schülern, Kollegen und Kolleginnen oder der Einfachheit halber von der Klasse oder dem Kollegium. Andere meiden bewusst geschlechtergerechte Sprache: Sie sprechen von Schülern und Kollegen. Bezüglich des Gebrauchs von gendersensibler Sprache im Unterricht und in der Schule scheiden sich die Geister.

 

 

 

 

Im Deutschen die Verwendung des generischen Maskulinums tradiert. Dieser Begriff meint Nomen und Pronomen, die grammatikalisch maskulin sind, sich allerdings auf Personen unbekannten Geschlechts oder beider Geschlechter beziehen.: Beispielsweise kann man sagen: Alle Schulleiter treffen sich am Mittwoch zu einer Tagung. Dieser Satz meint Schulleiterinnen genauso wie Schulleiter. Ein anderes Beispiel wäre: Frau Meyer ist der beste Lehrer der Schule. Mit diesem Satz ist eine eindeutig weibliche Person durch ein grammatisch maskulines Attribut näher beschrieben. Diese letzte Art der Verwendung des generischen Maskulinums ist im Deutschen eher unüblich geworden.

 

 

 

Gegner gendersensibler Sprache äußern, dass die Sprachästhetik unter der Verwendung geschlechtergerechter Ausdrücke leide. Zudem seien "gegenderte" Texte schlechter lesbar und weniger gut somit verständlich. Gemeint sind damit vor allem offensichtlich komplizierte Wendungen wie "der/ die Schüler/in", "derjenige/ diejenige" oder die gehäufte Schreibung oder Nennung von Ausdrücken wie "Schülerinnen und Schüler".

 

 

 

Befürworter gendergerechter Sprache setzen dem Studien entgegen, nach denen Frauen beim Lesen eines Textes weniger in das Denken einbezogen werden, wenn nur das generische Maskulinum verwendet wird. Darüber hinaus seien Frauen in motivationalen Prozessen eher aktivierbar, wenn alternative Sprachformen verwendet werden. Dieser Aspekt ist für die Schule von erheblicher Bedeutung. Es stellt sich die Frage, ob sich Mädchen bei der Verwendung des generischen Maskulinums genauso angesprochen fühlen wie Jungen, zum Beispiel in der Ansprache der Klasse durch den Lehrer in der Form des generischen Maskulinums (Alle Schüler sollen nun die Aufgabe 1b lösen. / Jeder kommt heute an die Reihe.) oder in grammatisch maskulinen Aufgabenstellungen (Stelle dir vor, du seist ein König...). Ferner lehnen Befürworter gendergerechter Sprache die Behauptung ab, Texte in gendergerechter Sprache , seien schwieriger verständlich. Sie berufen sich auf Studien, nach denen die subjektiv empfundene Verständlichkeit nicht der Menge erinnerter Textinhalte entspricht. Demnach hätten Probanden nicht weniger Inhalte erinnert, wenn der Text in geschlechtergerechter Sprache geschrieben war.

 

 

 

Beispiele für den Einsatz gendersensibler Sprache in Unterricht und Schule

 

Gendersensible Sprache kann bei der Bezeichnung von Personen ihren Einsatz finden. Dies fängt bei dem Selbstverständnis der Lehrkraft an: Bin ich Lehrer oder Lehrerin? Mein Kollegium besteht aus Kolleginnen und Kollegen. Weiter geht es bei der Beschreibung der Schülerschaft, die aus Schülern und Schülerinnen gebildet wird. Durch einen Elternbrief sollen die Erziehungsberechtigten, der Erziehungsberechtigte oder die Erziehungsberechtigte angesprochen werden. Er bespricht Dinge, die die Kinder, also die Töchter und Söhne der Adressatinnen und Adressaten betrifft. Bei der Ansprache der Klasse kann auf direkte Anredepronomen, etwa du oder ihr, zurückgegriffen werden. Statt von dem nächsten oder der nächsten kann von dem Kind gesprochen werden, das als nächstes drankommt. Statt jeden und jede anzureden, können alle benannt werden.

 

 

 

Ferner kann geschlechtergerechte Sprache bei der Formulierung von Arbeitsaufträgen verwendet werden (Stelle dir vor, du seist ein König oder eine Königin...). Es kann darauf geachtet werden, dass Unterrichtsmaterial zum Einsatz kommt, das gendergerecht formuliert ist. Interessant ist der Umgang der Uni Leipzig mit dem Thema gendergerechte Sprache. In der Grundordnung der Universität wird der Spieß umgedreht: Es wird ein generisches Femininum verwendet. Grammatisch feminine Formen gelten hier gleichermaßen für Männer.

 

 

 

Interessant ist der Umgang der Uni Leipzig mit dem Thema gendergerechte Sprache. In der Grundordnung der Universität wird der Spieß umgedreht: Es wird ein generisches Femininum verwendet. Grammatisch feminine Formen gelten hier gleichermaßen für Männer.

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  • 1 Kommentar(e)
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Gravatar: MariaMaria
13.11.2016
18:28
Sehr hilfreich!

Vielen Dank für diesen Eintrag! Er war mir wirklich sehr hilfreich und hatte sehr starke Argumente in sich, die ich morgen in der Debatte ums selbige Thema gut gebrauchen werde. LG, Maria

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